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Die ersten Gastbeiträge sind vier Flugschriften eines Freundes. Sie werfen ein Licht auf die Situation und die geschichtlichen Ursachen, auf damit verbundene Ideen, sowie kulturelle und spirituelle Hintergründe.

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Gastbeiträge zur Thematik der Website sind jederzeit willkommen.

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Hutten – Achat I

Eine Flugschrift



Wir werden auf ganzer Linie angegriffen, tiefgestaffelt und mit allen Mitteln. Jeder einzelne von uns, die Familie, die Gemeinschaft, Städte und Kommunen, das Volk und der Staat werden bedroht und sind Zielscheibe eines unglaublichen Vorgangs, der sich weltweit vollzieht. Der asymmetrische Krieg wird schon längst nicht mehr mit Gewehr und Kanone auf dem Schlachtfeld geführt. Er ist in unseren Straßen, vor unseren Haustüren und in den Arbeitsstätten angekommen. Ja selbst unser Innerstes, Gedanken und Gefühle, ist Schauplatz dieser massiven Auseinandersetzung. Deutschland steht vermutlich vor der größten Herausforderung seiner langen, tragischen und wechselvollen Geschichte.

Nur die Liebe zu uns selbst, zu unserer Kultur, zu den Menschen kann die seelische Spaltung überwinden - ein Schisma, das seit vielen Jahrhunderten existiert und unser gemeinsames Schicksal bis heute bestimmt. Nur wir selbst können diesen tiefen Abgrund überwinden, und nur dadurch werden wir die Achtung oder den Respekt der anderen Staaten und Völker gewinnen. Das ist wichtig für unser kollektives Überleben. Die Isolation Deutschlands ist einmalig in der Welt. Und immer wieder führen wir den Kampf David gegen Goliath.

Es ist auch und zuallererst ein Kampf, den wir gegen uns selbst anzetteln, gegen den Mitmenschen, den Spießbürger, den Rechten und den Linken; der Kampf des Konservativen gegen den Revolutionär und umgekehrt. Dieses schizotische Gift, das wir uns regelmäßig und zur Freude anderer immer wieder selbst verabreichen, ist für unsere desolate Lage mitverantwortlich. Unsere Blauäugigkeit, Langmut und Gutmütigkeit, alles herausragende positive Eigenschaften, die ich liebe, müssen zur Aufklärung und nicht zur Verklärung dienen; wir müssen den Schleier niederreißen und den Dunst, der uns umhüllt und bis ins Zellinnere vordringt, vertreiben. Kurz wir müssen sehen lernen, und zwar scharf sehen lernen. Wir müssen die Kraft der Unterscheidung wiedererlangen und zugleich die Fähigkeit der universellen Liebe aufrechterhalten.

Diese Liebe entsteht, wenn ich meine Angst und meine Furcht verliere und die Selbstachtung wiedergewinne. Diese Liebe stellt sich mit der Macht eines Naturgesetzes ein, wenn ich erkenne, dass der Tod eine Illusion ist. Sie stellt sich ein, wenn ich erkenne, dass die Verantwortung für das Leben nur ich selbst schultern kann. Keiner wird sie mir jemals abnehmen können - nur um den Preis der geistigen und körperlichen Versklavung und Betäubung meines individuellen, göttlichen Bewusstseins.

Wir sind das Volk und wir sind das Pack, wir sind die Götter in Lumpen gekleidet. Wir haben nichts zu verlieren, nicht einmal unsere Ketten. Wir sind freie Wesen in einer sehr beschränkten Welt.

Ulug

 

Hutten – Achat II

Flugschrift 2 /16.2.16



 

Wir haben die Jahrtausendschwelle überschritten. Wie jeder Übergang ist es eine Einweihung in eine neue Wirklichkeit, eine Realität, in der das Licht für jeden von uns heller leuchtet. Das ist keine Metapher. Aber auch die Schatten sind mächtiger geworden. Auch sie sind wirklich, denn seit mindesten 300 Jahren laufen, ein wenig phasenverschoben, drei wichtige soziale Experimente, die nun zum Abschluss gekommen sind: der Kolonialismus, Kapitalismus und der Kommunismus/Faschismus. Alle drei verschmelzen zu einem völlig neuartigem Gebilde: NWO –oder neue Weltordnung, das große Haus, die Weltrepublik oder welche Namen sie noch in der Vergangenheit hatte. Alle Methoden, Erfahrungen und Erkenntnisse, die innerhalb dieses Zeitraums zur Verwaltung der Menschheit gewonnen wurden, vereinigen sich zu einem scheinbar übermächtigen System der Kontrolle, Manipulation und Vernetzung der Menschen weltweit. Das Regelwerk der Kontrolle wurde durch das kommunistisch/faschistische Experiment geschaffen. Das der direkten aber mehr noch indirekten Manipulation durch den Kapitalismus und die Aufteilung und Vernetzung der Welt ist das Ergebnis des kriegerischen Kolonialismus. Orwells Buch 1984, Huxleys Schöne neue Welt, und H. G. Wells Buch der offenen Verschwörung sind mehr oder weniger gelungene frühe literarische Zusammenfassungen dieses dreiköpfigen Monsters, das hinter vielen der so seltsam lächelnden Gesichter der Staatsführer lauert; denn die Eliten der westlichen Welt und viele der östlichen sind von einer merkwürdigen einheitlichen kalten Intelligenz durchsetzt - ein Mechanismus der Gleichschaltung, das die Abwesenheit oder zumindest die Einhegung oder gar die Gefangennahme des individuellen Bewusstseins vermuten lässt.

Der Schleier ist für mich gefallen und der Verdacht erhärtet sich, dass die Regierungen der westlichen Welt okkupiert worden sind und sich systematisch gegen das eigene Volk wenden. Ihr Kolonialismus und ihre Kriegsführung nach innen sind nun offensichtlich geworden und diese Wahrheit schmerzt. Sie verursacht einerseits Ohnmacht und Ratlosigkeit, andererseits auch Wut. Aber das sind ganz natürliche Reaktionen, die wir als Angriff und Verteidigung seit Jahrtausende gelernt und praktiziert haben. Das sind uralte Überlebensmechanismen, die einfach notwendig sind in unserem kriegerischen Universum. Solange dieses Reaktionsmuster in uns nicht ausgelöst wird, solange werden wir die Gefahr, in der wir alle – auch „unsere" Elite - schweben, weder wahrnehmen, noch begreifen. Aber ist es aktiviert, brauchen wir stets eine gewisse Zeit der Reife. Kraft und Erkenntnis müssen reifen - wie lange, ist für jeden unterschiedlich. Während dieser Zeit verwandeln sich Kraft und Reflexion in Vision. Diese speist sich immer von den höchsten Prinzipien des individuellen göttlichen Bewusstseins, der Wahrheit, Freiheit und universellen Güte. Die Buchstaben dieser Prinzipien stehen in keinem Buch der Welt, nur im Herzen von uns allen. Die Kraft der Vision kann kein Machtapparat bezwingen und kein Mechanismus der Gewalt. Sie ist das Leben selbst.

Ulug

 

Hutten - Achat III

Flugschrift 3



Ambet ist vermutlich das älteste schriftlich aufgezeichnete deutsche Wort, das uns der römische Dichter Ennius ca. 200 v. Chr. überlieferte, schreibt G. Freytag. Es bedeutet unter anderem Dienst, Amt, Gefolgsmann, Beruf; Schildes Ambet auch Ritterdienst, Ritterstand, Amtsbezirk und Lehen. Es bezeichnet, so G. Freytag, ein Treueverhältnis des Dienenden zu seinem Herrn, eine Beziehung, die den damaligen Römern unbekannt war. „Der Sinn", so Freytag, „welcher der Deutsche mit diesem Worte verbunden hat, ist bis zur Gegenwart bedeutsam für sein Gemüt gewesen."

Was hat diese Rückschau mit der gegenwärtigen heißen Phase unserer Umwandlung zu tun? Denn in dieser befinden wir uns augenscheinlich - eine Umwandlung, vollzogen unter hohem Druck und Temperatur, die vielleicht unsere Auflösung bringt, doch im Grunde eine Neuschöpfung verursacht. Alles Alte, Vergiftete, Verkrustete, Lächerliche, Kleinliche, Zaghafte und Unterwürfige wird verbrannt und in Glut verwandelt, wo Neues mit Altem verschmilzt und große Kräfte freisetzt. Schauen wir uns um, die Menschen beginnen sich zu organisieren, neue Lebensformen treiben aus dem Boden; überall Experiment, Versuch, Neuanfang teilweise auf hohem Niveau. Es werden nicht nur die Beziehungen neu organisiert, auch Ideen, Wissen, Weltsicht und Perspektiven unterliegen einer Verwandlung. Wir befinden uns in einem Schmelztiegel, wo Schmerz und Rausch abwechselnd nichts anderes darstellen als den Quell neuen Lebens.

Schauen wir nochmals 100 Jahre zurück, so zeigt sich eine erstaunliche Parallele. Frobenius, der große Afrikaforscher, Kulturphilosoph und Begründer der Kulturkreislehre diagnostizierte um die Jahrhundertwende (19./20 Jh.) einen Umbruch in der Weltanschauung  und Sehweise, weg von der "Oberflächenschau" hin zur "Tiefenschau". Diese Umstellung wurde hauptsächlich in Mitteleuropa, in Deutschland vollzogen und erfasste viele Bereiche der Natur und Geisteswissenschaften:

Aber diese vor allen Dingen deutsche Umstellung ist ebenso gut in allen anderen Fächern der Wissenschaft erfolgt, in der Philosophie wie in der Naturwissenschaft, in der Rechtslehre wie in der Medizin. `Tiefenschau´ an Stelle der `Flächenschau´ bedeutet keine Rückkehr zu Metaphysik der vorletzten Jahrhunderte. Wenn sie auch in der Tat zunächst mit dem Materialismus des letzten Jahrhunderts aufräumen muss" (Frobenius, Kulturgeschichte Afrikas, 19)

Dieser Forscher und Zeitzeuge sieht „die Gründe für den Beginn des Großen [1.] Krieges und des Ansturms aller westlich eingestellten Völker auf Deutschland in der Erscheinung....., dass in Deutschland um die Jahrhundertwende die ersten Symptome für die Umwandlung des Lebensgefühls der Kultur.... zuerst auftauchten". Denn "unsere Eigene Kultur ist sinnbetont eine Kultur der Mystik", sagt er an anderer Stelle. (ebenda, 30,31)

Oberflächlich gesehen, war es ein Wirtschaftskrieg. Doch der erklärt nicht die gewaltige Eruption, die eine eng begrenzte Auseinandersetzung einen Weltkrieg werden ließ. Es erklärt nicht den Hass und die infernalische Propaganda, die besonders über Deutschland hereinbrach und, lange bevor der Krieg beendet wurde, der jungen Nation bzw. dem alten Reich den Untergang brachte. Diese Kräfte gingen viel tiefer. Sie zielten auf etwas, was den Augen und Ohren der meisten Menschen nicht zugänglich war: auf eine sich anbahnende Synthese westlicher Rationalität mit östlicher Spiritualität. Durch diese Synthese beider Wissensformen wäre es möglich gewesen, die kosmische Lebenskraft selbst in den Mittelpunkt der kulturellen und wissenschaftlichen Praxis und Forschens zu bringen zum Wohle des Ganzen. Das war der große „Selbstversuch“, der sich vier Generationen lang vorbereitet hatte, aber 1914 sein jähes Ende fand. Was Deutschland zustieß und bis heute sich fortsetzt, kann jeder Nation und jedem Volk passieren, wenn es zur Wurzeln der Existenz vordringt. Aber genau das ist heute wieder unsere Aufgabe: den Aufbau einer neuen friedlichen und ausgeglichenen Kultur von innen nach außen, von unten nach oben mit der Synthese von Verstand, Gefühl und uralter Lebensform des Ambet. Letzteres ist nicht das Ergebnis einer langen Geschichte, eher ist es ein zeitloses Muster unserer Lebensweise. Ihr grundlegende Merkmale sind: die Liebe zur individuellen Freiheit. Eine reflexive Sensibilität, die Mitgefühl erzeugt, ein Intellekt gepaart mit einer Vorstellungskraft, die zu Idealismus und Symbolismus neigt. Die Bevorzugung monogamer Ehe. Ein starkes Bedürfnis nach individueller Freiheit zugleich der Wunsch nach Geselligkeit. ( u.a. aus Schuré)

Diese psychische Veranlagung initiiert eine Gemeinschaftsform der Sippe, des Clans, der Eidgenossenschaft, Dorfgemeinschaft, der Zunft, Innung oder eben des Ambet mit dem Wahlprinzip der Führerschaft und seiner Anhänger, die sich freiwillig einordnen und ihm treu sind, ohne ihre eigene Stellung und Größe aufzugeben. Kurz gesagt das Ambet vereint und ist zugleich auch Ursprung des Genossenschafts- und Gefolgewesen. Beide gehören zusammen, aber wie so oft geschehen, werden sie auseinandergerissen und gegeneinander ausgespielt. Diese eigenartige Verknüpfung vertikaler und horizontaler Lebensformen ermöglicht eine ungemein differenzierte und zugleich vitale Organisationsweise, wie es z.B. die Zünfte oder Innungen des Mittelalters darstellten, die, wie ein Autor bemerkte, ganze Länder umschlossen und in einem gewissen Sinn auch das gesamte „heilige römische Reich“.

Das Ambet ist also viel mehr als nur eine soziale Umgangsform, es ist eine initiatische Lebensweise, die tief in unserem Gemüt verankert ist. Sie ist der Grund, warum der Europäer sich gern zusammenschließt, korporativ tätig ist, Vereine gründet, Genossenschaften aus dem Boden stampft, Hierarchien erzeugt, sich ständig organisiert, aber auch Gefahr läuft, sich immer wieder zu partikularisieren bzw. in tote Strukturen zu verlieren.

Ambet bedeutet nicht Unterordnung, sondern Einordnung, nicht Polarisierung und Unterwerfung, sondern Dienst, dem sich die führende Autorität und ihre Anhänger gleichermaßen unterziehen und hingeben. Dieses Treueverhältnis kann durch zwei Prinzipien weiter  zusammengefasst werden. Sie lauten:

Halte dein Wort und verletze nicht den Freiraum und den Besitz des anderen.

Die Völker anderer Kulturkreise besitzen ihre eigenen zeitlose Lebensformen  wie es die Sodalen, Hetairen, Futuwwa in der Vergangenheit waren, aber bis heute ein bedeutsames, wenn auch nicht so offensichtliches Organisationsprinzip geblieben sind.

Letztendlich geht es in jedem Kulturkreis  darum, die eigenen  Möglichkeiten zu wahren, zu nutzten und zu entfalten, um zur Wurzel der eigenen göttlichen oder zeitlosen Existenz vorzudringen.

 

Ulug

 

 

 

 

Hutten - Achat IV 

Flugschrift 4 - April 2016

 

 

 

Der Atem der Geschichte/ Teil I

 

Es scheint eine List der Geschichte zu sein, den Schleier des Vergessens über die Völker zu ziehen, den Fluss der Zeit zu unterbrechen, um wieder ganz von vorn anzufangen. Wie aus dem Nichts tauchen die Kulturen auf, und manche verschwinden darin auch wieder.

Das europäische Mittelalter entwindet sich einer sprach- und geschichtslosen Epoche, stellt sich mit einem Mal als eine Kultur neuen Typs vor, die die vorangegangenen in das Reich der Überlieferung, Anekdote und des Denkmals drängt. Das Mittelalter selbst ruht auf einer Grundlage, die sowohl mythisch als auch historisch ist: Die Einigung der europäischen Stämme zu einem europäischen Reich durch Karl den Großen. Geschichte und Mythos verschmelzen zum Gründungsmythos, zu einer realen Fiktion, deren Kraft bis heute durchschwingt, die Gemüter erhitzt, Probleme kreiert und Lösungen anbietet.

Das mittelalterliche Reich ist ein Herrschaftsgebilde ganz eigener Art. Es ist weder ein Staat, Staatenbund oder Bundesstaat; weder Monarchie noch Imperium. Das Reich ist weder das eine noch das andere und doch bietet es Einheit unter Wahrung größtmöglicher Freiheit der einzelnen Völkerschaften. Es ist universal und besonders zugleich, konkret und allgemein, mythisch und real.

Es ist eine Singularität , ein Gemeinwesen eigener Art, nur mit sich selbst vergleichbar...“, schreibt Constantin Frantz 1870 in seiner bemerkenswerten Schrift: Die Naturlehre des Staates.

Und dieses Reich schrumpft über die Jahrhunderte hinweg auf die Mitte Europas, auf sein Zentrum, auf Deutschland zu wie eine konzentrische Welle, deren Radius sich stetig verkleinert und zuletzt noch die Kraft hatte, Land und Leute zu spalten. 1000 Jahre deutscher Geschichte steht vorrangig unter diesem zentripetalen Bewegungsimpuls, der allerdings 1989 sein Ende findet.

Ja es scheint nun sogar eine neue Dynamik einzusetzen, die die umgekehrte Bewegung signalisiert

Zum wiederholten Mal müssen wir uns entscheiden, wohin es gehen soll. Richten wir den zentrifugalen, expandierenden Bewegungsimpuls nach außen in Raum, Zeit und Materie, in Wirtschaft, Macht und Politik oder auf eine Besinnung ganz neuer Art, auf unser gemeinschaftliches und individuelles Aufwachen aus Bevormundung, Beschränkung, Angst, Schuld und innerer Zerrissenheit? Diese Blickrichtung will seelische Identität und geistige Schöpferkraft auf der Grundlage natürlicher Lebensprozesse.

Natur und Geist sind nicht „Dinge“, die sich widersprechen, sie sind bestens geeignet einander zu entsprechen und sich gegenseitig zu vollenden. Natur ist in erster Linie kein Ding, Gegenstand oder Vorrichtung. Natur ist die Landschaft, in der wir leben – der Grund und Boden, es ist der Fluss, der Baum, Fels, Blume, Gras und jede andere Kreatur. Natur ist Leben, und zu unserem Glück hat sich der Deutsche dieses Verständnis tief im Inneren bewahrt. Dadurch haben wir überlebt, haben aus Idealismus und Natur immer wieder neue Kraft ziehen können. Die Landschaft, in der wir weilen, stiftet auf ganz natürliche Weise Einheit unter Wahrung der Individualität und Vielheit. Die Landschaft bzw. die Erde ist es, die uns mit allem Notwendigen versorgt, sei es Nahrung, Rohstoff, Energie; Erholung, Schönheit, Weisheit und Kraft. Sie ist das wahrhaft Produktive. Und hier finden wir zusammen, gründen Familien, Gemeinschaften, Dörfer, Gemeinden und Städte.

Wir bauen von unten nach oben wie die Pflanze, wie der Baum, der sein Astwerk entfaltet, aber seine Wurzeln tief im Erdreich hat.

Wenn der Staat vergeht, die Macht verschwindet, die Gier versiegt, bleiben die Dörfer, Gemeinden und Städte, bleiben die Familien und Verwandtschaften, bleiben die Werkstätten und Äcker, bleiben Tradition, Recht, Kreativität und Wissen. Und zum Schluss ist immer wieder nur Natur. Und zum Schluss bleiben immer auch wir, die ewig Einzelnen, die Reisenden und göttlichen Funken des Geistes.

 

Der Mythos des Reichs lebt im Herzen und wirkt in der Natur und offenbart sich in und mit der Landschaft als Kultur.

 

Staat, Macht und Zentralgewalt sind Gäste. Sie haben keinerlei Hausrecht und keinen Anspruch auf unser Tun, Lassen und Sein. Die Landschaft, in der wir leben, ist das Ergebnis des Zusammenseins von Mensch und Natur, sie ist Kulturlandschaft. Und selbst dort, wo das ungeübte Auge nur Wüste, Dschungel oder Wildnis sieht, existiert sie, gib sie ihre Geheimnisse nur dem Eingeborenen preis, wie dieser Pfade und Bezirke anlegt, heilige Orte kennzeichnet, Tiere, Pflanzen und Geister verehrt.

Es scheint ein Paradox zu sein, dass die Wurzellosen die Unfreien sind und die Verwurzelten eine Selbständigkeit im Denken, Fühlen und Handeln besitzen, die uns moderne Menschen abhanden gekommen und unbekannt ist.

Staat, Macht und Zentralgewalt können sich nur dort über längere Zeit bilden und behaupten, wo die Landschaft verödet, die Wurzeln vertrocknen und der Mensch vertrieben zum Treibgut wird. Dann werden Familie, Dorf, Gemeinde, Stadt und Land, dann wird der Mensch zur Masse. Dann herrscht das Gesetzt der Statistik, das Wirken der großen Zahl, der Mechanismus, dann kommen der Staat und die Zentralgewalt. Dann bilden sich neue völlig andere Gesetze und Gesetzmäßigkeiten auf Grundlage der Masse, des kollektiven Unbewussten und der Macht heraus, die sie beeinflusst und führt. Masse und Macht sind der Grund der Moderne bzw. der Zivilisation.

Und Technik vermittelt beide, wird zu einem gigantischen Transmissionsriemen, wird zum Bindeglied von Masse und Macht. Sie bleibt nicht nur ein Mittel, sie wird immer mehr zum neuen Grund und Boden, zum universellen Medium einer hybriden, in-formierten Materie, was nichts anderes ist als die die massenhafte Anwendung, Verbreitung und Zirkulation elektronischer Hardware. Diese besteht hauptsächlich aus Myriaden von Mikrotransistoren, die analog zu den zahllosen Mikroorganismen im fruchtbaren Erdboden, den der Mikrobiologe A. Francé Edaphon nennt, nun ihrerseits einen künstlichen Boden darstellt, der durch Elektrizität animiert, technisch fruchtbar wird, sich vervielfältigt und zur uneingeschränkten Vernetzung fähig ist. Diese elektronische Erde nenne ich hier Edatron und die digitale Signalverarbeitung (DSP) ist ihre grundlegende Produktionsform.

Auf und mit ihr entsteht etwas ganz anderes, eine humanoide Entwicklungsform, die mit der bisherigen Evolution bricht und an die Stelle der natürlichen die rein technische Evolution setzt. Der erste Weltkrieg verhalf der Schwerindustrie zum Durchbruch. Der zweite Weltkrieg inthronisierte die Programmindustrie, die signal-informelle Produktion, die Welt der Programme, Algorithmen, Daten-, Informations- und der Signalverarbeitung.

Drei herausragende geschichtliche Ereignisse haben diese technische Evolution ausgelöst und vorangetrieben: Die Französische Revolution, der I. und der II. Weltkrieg.

Der erste Weltkrieg nimmt eine Schlüsselstellung ein. Hier entschied sich Europa vollends für den technischen Weg, hier wurden die ersten Schritte unternommen, die Natur des Menschen in eine organisierte Masse zu verwandeln; hier triumphierte die Zentralgewalt, der Staat und die ökonomische Elite über die traditionellen Herrschafts- und Lebensform. Hier wurde der Umbau des Menschengeschlechts beschlossen und hundert Jahre lang Stück für Stück in die Tat umgesetzt. Diese historische Weggabelung bzw. Alternative, die vielleicht damals schon keine mehr war, soll an Hand zweier Persönlichkeiten – Steiner und Naumann – im nächsten Schreiben skizziert werden.

 

Ulug