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IV Die Verschwörung in der Geschichte

 

Verschwörungen – seit jeher, überall und jederzeit

 

„Money makes the world go round“ ist ein geflügeltes Wort. Wird money, Geld, durch conspiracy, Verschwörung, ersetzt, kommt man der Wahrheit ein Stückchen näher. Ja, das Geld, ist der Schmierstoff – im doppelten Sinne des Wortes – der Welt. Folgt man aber der Spur des Geldes zu ihrer Quelle, stößt man irgendwann fast immer auf eine Verschwörung.

 

Verschwörungen in Verschwörungen in Verschwörung

 

 

 

Verschwörungen sind ineinander verschachtelt wie die berühmten Matrjoschka Puppen. Das macht das Thema so komplex und verwirrend. Denn: „Die im Dunkeln sieht man nicht.“

Die Geschichte des alten Roms könnte man als Abfolge von Verschwörungen beschreiben. Die Worte von Gaius Sallustius Crispus aus seiner Monografie „Die Verschwörung des Catilina“ sind vielleicht auch als Warnung an die Nachwelt gedacht:

 

 

 

Denn ich halte es für ein Unternehmen, dessen Aufzeichnung ungemein dienstvoll ist, gleichermaßen wegen der ungewöhnlichen Art seiner Schuld und seiner Gefahren.“

 

Friedrich Schiller zitierte diese Worte von Sallus zu Beginn seines zweiten Dramas, eines meisterliches Lehrstücks über die russischen Puppen:

 

"Die Verschwörung des Fiesco zu Genua"

 

Die Verschwörung, die Sallus beschrieb, war ein gescheiterter Umsturzversuch des Senators Catilina, der die Macht in der Republik Rom erobern wolte.

Die Geschehnisse in Genua, im Jahre 1547, inspirierten Schiller, eine dreifach verschachtelte Verschwörung zu dramatisieren.

Ein Akteur, Gianettino, bereitet einen Putsch vor, der einen anderen, Andrea Doria, entmachten und die verbliebenen Republikaner ausnahmslos vernichten soll. Die Verschwörer um den Namensgeber des Dramas, Fiesco, betreiben den Sturz der Dorias. Schließlich plant Verrina, ein weiterer Akteur, für den Fall des Erfolgs der Verschwörung die Ermordung Fiescos: Genueser Puppen[theater].

Zurück zur römischen Geschichte. „Auch du, mein Sohn“, das sollen die letzten Worte Julius Cäsars bei seiner Ermordung gewesen sein. Gerichtet waren sie an Brutus, einen der Verschwörer gegen sein Leben, für den er ein väterlicher Freund gewesen sein soll.

Cäsar war nur eines von unzähligen Verschwörungsopfern des dauernden, wechselhaften Kampfes um die Macht in Rom. Der von der offiziellen Geschichtsschreibung heroisierte Cäsar hat aber vor allem geerntet, was er gesät hat.

Es erscheint fast folgerichtig, dass für die Cäsaren, die römischen Kaiser, denen Julius Cäsar ihren Titel gab, die Verschwörung so selbstverständlich war, wie die Luft, die sie atmeten. Mord und Verschwörung, um an die Macht zu gelangen, aber auch ermordet zu werden, beides war oftmals Teil ihrer Lebensgeschichte.

 

Verschwörung ist nicht nur Teil der Lebensgeschichte römischer Herrscher. Verschwörung ist der rote Faden, der sich durch die Geschichte zieht. Rot getränkt vom Blut der Opfer, liebt es der Faden, sich unter anderen Fäden des Gewebes der Geschichte zu verbergen. Und wie meist hat das, was man nicht sieht, viel größere Kraft als das Offensichtliche.

 

Verschwörungen in der nordischen Geschichte

 

Wieder gibt es keinen Grund, mit dem Finger zu zeigen. Wenn man genau hinschaut, taucht die Frage auf, ob Verschwörung ein Teil der menschlichen Natur ist. Aber dazu später.

 

Auch in der Geschichte der nordischen Völker war die Verschwörung ein Bestandteil. Wir scheinen es zu lieben, unsere Helden immer wieder vom Sockel zu stoßen. Man braucht nur die Schlagzeilen der Regenbogenpresse zu lesen. Genüsslich wird jeder Fall eines vormaligen Helden zelebriert. Zwei der größten Helden unserer Geschichte und Mythen wurden Opfer dieses Wesenszuges.

Hermann, der Cherusker, war der Anführer einer Verschwörung der Germanen gegen die scheinbar übermächtigen römischen Eroberer. Er einte die zerstrittenen Stämme der Cherusker, Chattten, Angrivarer, Marser und Brukterer.

Im Jahre 9 n.C. wurde das gesamte römische Besatzungsheer, bestehend aus drei Legionen und sechs Hilfskontingenten mit ca. 20.000 Mann, von den vereinten Stämmen unter Führung Hermanns vernichtet. Ein historischer Sieg in der Blütezeit Roms, der den Mythos der furchtlosen germanischen Krieger und wohl auch die tiefsitzende Angst vor ihnen mitbegründete. Rom baute in der Folge den Limes, einen Grenzwall zum Schutz, und wagte sich nur noch für kurze Überfall-Attacken auf germanisches Gebiet.

Nur ungefähr 10 Jahre nach der Schlacht im Teutoburger Wald wurde Hermann Mordopfer einer Verschwörung von Verwandten.

Ein ähnliches Schicksal teilte der größte Held der nordischen Mythen. Sehr verkürzt gesagt: Siegfried, der Drachentöter, wurde von Hagen ermordet, der sich mit Brünhild dazu verschworen hatte.

Kriemhild, Siegfrieds Frau, rächte sich in einer weiteren Verschwörung grausam an ihren Verwandten für den Mord an ihrem Mann.

 

 

In jeder Kultur und zu jeder Zeit kann man die Spur von Verschwörungen entdecken. Sie sind organischer Teil der Geschichte. Sind sie gar einer ihrer Motoren?